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Haut und Knochen

Sie sehen Fett, wo längst keins mehr ist, manche hungern sich zu Tode – und lange gab man allein Familie und Umwelt die Schuld. Heute erkunden Forscher eine Ursache für das Elend von Magersüchtigen und Bulimikern, die tief in ihrem Inneren liegt - im Erbgut.

„Ich liebe das Leben“, sagt Alexandra und man fragt sich, welches Leben sie meint. Alexandra Delke ist 22 Jahre alt. Zehn davon hat sie bereits an die Magersucht verloren. Sie war 12 und recht pummelig, als sie mit dem Hungern begann. Drei Jahre später kam sie zum 1. Mal in die Psychiatrie. Im November 2005 wurde sie vom Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert, da konnte sie kaum noch stehen. „Einen Tag Später, und du wärst ins Koma gefallen“, sagte eine Ärztin.“Oder dein Herz hätte aufgehört zu schlagen“. Und Alex – Größe 1,63 m, Gewicht . 29 kg – dachte zum 1. Mal „Jetzt reichts. Ich will raus aus der MS.“ In der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Bad Bramstedt kämpft sie jetzt gegen die Krankheit, die ihren Körper verhungern lässt, während sie dem Kopf vorgaukelt, es wäre zu viel Fett auf den Hüften. „Ich will nicht noch mehr Zeit verlieren“, sagt sie.

Alex ist einer von geschätzten 800.000 Mensch in Deutschland, die an MS oder der noch häufigeren Ess Brech Sucht leiden, die meisten von ihnen sind Mädchen oder junge Frauen. Während die Zahl der diagnostizierten Fälle in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen ist, haben Forscher versucht, das Wesen und die Ursache dieser Krankheit zu begreifen. Lange vergebens. Erst mit den Mitteln der Hirnforschung ist es ihnen gelungen, besser zu verstehen, was die ESler leiden lässt. Die Erkenntnis: anders als lange vermutet, sind die Hungernden nicht einfach Opfer ehrgeiziger Eltern oder Pubertätsverweigerer. Der Dürrewahn entsteht aus einem komplexen Bündel von Ursachen, und die vielleicht wichtigste liegt neueren Studien zufolge ganz tief im Inneren – in den Genen.

Bei Alex begann es ganz harmlos. Mit 12 wog sie 68 kg und ärgerte sich, weil sie nicht so figurbetonte Klamotten tragen konnte, wie ihre dünnere Freundin. Als Alex beschloss, auf Diät zu gehen, fanden das alle in Ordnung. Sie aß weniger Fett, mehr Gemüse und mehr Obst, die Mutter kaufte ein Trimmrad. Schon nach 6 Monaten hatte Alex ihr Traumgewicht von 48 kg erreicht. „Aber da dachte ich immer noch: Ach hier und da ist es noch ein bisschen zu viel.“, sagt sie. Also zählte sie weiter Kalorien, trank literweise Wasser und kratzte die Marmelade aus den Löchern im Brot. Sie hörte auf Fleisch zu essen. Manchmal gab es nur noch eine Melone am Tag, manchmal auch gar nichts.

„Natürlich hätte ich da einschreiten müssen“, sagt ihre Mutter Gabi Delke. „Aber ich habe den richtigen Zeitpunkt verpasst.“ Wie die meisten Eltern. Den Moment zu bestimmen, in dem aus bewusstem Essverhalten eine ES wird, fällt selbst Therapeuten schwer. Außerdem bemerken Mütter und Väter oft lange nicht, wie stark ihre Kinder die Nahrungsaufnahme zurückgefahren haben. Denn die beginnen zu lügen. Sie behaupten, sie hätten schon auswärts gegessen oder allein in ihrem Zimmer, sie hätten Bauchschmerzen oder einfach keinen Hunger. Sicher ist: wenn die ersten untrüglichen Symptome auftreten, ist die Grenze zur Krankheit meist schon überschritten.

Auch Alex weiß nicht mehr, wann ihr Diätplan in Hungerwahn umschlug. Langsam setzte die Panik vor allem Essbaren ein. Schließlich aß sie warmes, salziges Wasser als Suppe. „Ich habe mich körperlich gut gefühlt dabei. Aber ich hatte immer Angst, vor allem davor, die Kontrolle über mich zu verlieren und wieder dick zu werden.“ Dabei war es längst nicht mehr ihr Wille, dem sie folgte: die Krankheit lenkte ihr Handeln, bestimmte jeden Tag. Seit 10 Jahren ist Alex´ ganzes Denken beherrscht von dem einen Thema: „Was darf ich essen? Wann darf ich essen? Wie viel darf ich essen?“

Als alles anfing, war es Alex´ Traum, eines Tages so auszusehen „wie die Models mit ihren schönen Figuren“. Die allerdings waren - und sind bis heute noch – meist nicht schlank, sondern dürr. Eine Tatsache, die kürzlich bei Heid Klums Casting Show „Germanys next topmodel“ für Aufregung sorgte: die 52 kg leichte Irina war mit der Begründung aus dem Wettbewerb geflogen, sie sei zu dick. Detlev Nutzinger, äztlicher Direktor der Klinik Bad Bramstedt, kritisiert: „ Die verzerrten Ideale, die durch so eine Show vorgegeben werden, können Wegbereiter für den Einstieg in eine ES sein, Für viele Mädchen geht es in diesem Wettbewerb ja um einen Traumberuf, sie identifizieren sich also sehr stark mit dem, was sie da sehen.“

Trotzdem endet nicht jede figurbewusste junge Frau als Magersüchtige: Dünne Vorbilder können nur solchen Mädchen gefährlich werden, die ohnehin anfällig sind. Forscher haben beobachtet, dass es häufig Kinder besonders autoritärer Eltern trifft. Und solche, die in der Kindheit traumatische Erlebnisse hatten, die etwa früh den Tod eines Elternteils verkraften mussten. Auch Mädchen, denen Erwachsene sehr hohe Leistungen und strenge Gewichtsdisziplin abverlangen, sind auffällig oft betroffen. So konnten Studien zeigen, , dass z.B. Schwimmerinnen oder Turnerinnen, die ständig Diät halten oder sich mit ihrem Gewicht beschäftigen, häufig am Rande einer ES stehen. Ausschlaggebend scheint aber ein Faktor zu sein, auf den Sporttrainer, Fernsehdirektoren und Model Juroren keinen Einfluss haben – und Eltern nur als Spender von DNA. Vor wenigen Jahren belegten eindrucksvolle Studien mit eineiigen Zwillingen, dass die Anfälligkeit von MS vererbt werden kann : litt ein Zwilling an Anorexie, erkrankte mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50% auch der andere. Bei zweieiigen Paaren lag diese Übereinstimmung nur bei etwas 10%. Experten gehen heute davon aus, dass bei einem Patienten zu 50 bis 80% die Gene für MS verantwortlich sind. Und auch bei der Bulimie sehen Wissenschaftler einen - wenngleich schwächeren – Einfluss der Erbanlagen.

Als die heute 15-jährige Juliane vor 2 Jahren anfing, Kalorien zu zählen, war sie bereits die 3. in der Familie. Auch ihre Mutter fühlte sich jahrelang zu dick, war ständig auf Diät. Und ihre Schwester bekam auf dem Weg in die MS erst im letzten Moment die Kurve. Durch sie waren die Eltern bereits in Alarmbereitschaft, als Juliane nach ein paar Wochen Diät nicht wiedr anfangen wollte, normal zu essen. Sie tat es dann doch - nur um sich nach jeder Mahlzeit zu übergeben. Knochendünn wurde Juliane dabei nicht : Als sie in die Klinik nach Bad Bramstedt kam, wog sie 62 kg bei einer Größe von 1,63 m. Und das ist nicht untypisch, viele Bulimiker sind völlig normalgewichtig. Einige nehmen sogar zu: Bei ihren Fressattacken schaufeln sie solche Berge in sich hinein, dass selbst nach dem Erbrechen noch genügend Nahrung im Körper bleibt.

Welche Gene es sind, die die Anfälligkeit für eine ES erhöhen, ist noch nicht ganz geklärt, aber es gibt Kandidaten. „Wir beschäftigen uns vor allem mit dem Chromosom 1. Dort liegen Gene, die die Aktivität verschiedener Botenstoffe steuern,“ sagt Manfred Fichter, ärztlicher Direktor der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. Er hat zusammen mit anderen Wissenschaftlern typische Veränderungen der DANN – Sequenz von Magersüchtigen untersucht. Der Verdacht der Wissenschaftler: Essgestörte haben Gene, die das Wirken von bestimmten Botenstoffen so beeinflussen, dass irgendwann die Balance von Hunger und Sättigung, aber auch Stimmungen und Selbstwahrnehmung aus dem Lot geraten. Eine Ursache dafür scheint ein Kommunikationsproblem zwischen den Zellen im Gehirn zu sein: damit dort Signale korrekt übertragen werden, muss in jedem Spalt zwischen zwei Nervenzellen die richtige Menge an Signalstoffen vorhanden sein – z.B. an Serotonin. Magersüchtige, Depressive oder Patienten mit Zwangsstörungen haben an dieser Schnittstelle aber zu wenig davon – und das obwohl die Gehirnzellen wie besessen Serotonin herstellen, um diesen Mangel zu beheben: daher zeigen Gehirnuntersuchungen bei Magersüchtigen in bestimmten Regionen besonders aktive Zellen. Trotzdem befindet sich an den Kontakten zwischen den Zellen zu wenig Serotonin.

Auch Perfektionismus gilt als typisches Merkmal von Menschen mit gestörtem Serotoninhaushalt – und Perfektionismus bis hin zu Zwanghaftigkeit ist eine Eigenheit vieler Anorektiker und Bulimiker schon vor dem Ausbruch ihrer Krankheit. Die meisten gelten bereits lange vorher als ehrgeizig in der Schule und beim Sport.

Auch Juliane spielte Basketball und Tennis, trainierte Leichtathletik, spielte Querflöte und sang. In der Schule waren ihre Noten gut, meist sehr gut. Julianes Vater beschreibt seine Tochter als „ nie auffällig, sehr vernünftig, propblemlos“. Sie sei ehrgeizig gewesen, sagt der selbstständige Kaufmann „aber wir haben nie Druck ausgeübt. Sie war einfach sehr reif für ihr Alter, gedanklich und auch körperlich.“ Erst als Juliane beschloss abzunehmen, wurde ihr Ehrgeiz gefährlich. Denn sie verfolgte ihre Diät mit dem selben ganz-oder-gar nicht- Anschpruch, der auch in jedem anderen Bereich ihres Lebens galt –und rutschte ab in die Bulimie.

Bei Alex erwachte der auffällige Ehrgeiz erst während der Krankheit. Sie begann zu büffeln wie nie zuvor und schrieb nur noch Einsen. Zwar sind in ihrer Familie keine anderen Fälle von Essstörungen bekannt, aber das schließt eine große Bedeutung der Gene nicht aus – zumal es, wie sie selbst sagt, keine Hinweise auf andere Faktoren wie Traumata, hohen Leistungsdruck oder besonders autoritäre Eltern gibt. Was immer ausschlaggebend war: in Alexandras Gehirn ist inzwischen das Ballett der Botenstoffe aus dem Takt – auch weil das Hungern selbst in die komplexe Choreografie eingreift. „In einem hungernden Körper werden nach und nach ganz viele Stoffwechselprozesse auf Sparflamme geschaltet“, sagt Manfred Fichter. Diese Dynamik führt dazu, dass Ärzte und Forscher bei einzelnen Patienten oft kaum noch feststellen können, was Ursache und was Folge der MS ist.

Ist das Botenstoff Chaos eine Weile im Gang, wird es immer schwieriger, den Teufelskreis zu durchbrechen. Die gestörten Stoffwechselprozesse verzerren auch den Blick des Kranken auf sich selbst: Jugendliche, die nur noch aus Haut und Knochen bestehen, nehmen sich als fett wahr und sehen deshalb keinen Anlass, dem Fasten ein Ende zu machen. Sie schotten sich ab, und wenn sie sich überhaupt noch öffnen, dann nur Gegenüber Gleichgesinnten. In Internetforen tauschen Mädchen mit Fantasienamen wie „Elfe“, „gefallener Engel“ oder „Skinny“ ihre Erfahrungen mit Anorexie und Bulimie aus. Sie wiegen nach eigenen Angaben manchmal nur 50 kg oder weniger bei einer Größe von 1,70m. Ihre Essstörungen nennen sie liebevoll ihre Freundinnen „Ana“ und „Mia“. Manche der Seiten tragen sektenhafte Züge, die das Unglück der Mädchen widerspiegeln: Es gibt ein Glaubensbekenntnis und Zehn Gebote, eines lautet „Ich darf nicht essen, ohne mich schuldig zu fühlen.“ Praktische Tipps, wie sich Hungermarathon und ständiges Erbrechen am besten durchhalten lassen, runden das Angebot der Websites ab: kleine dunkle Teller solle man benutzen, weil darauf die Portionen größer aussehen, und die Wohnung immer ohne Geld verlassen, damit man nicht in Versuchung komme, unterwegs etwas Essbares zu kaufen. Und über allem steht das Credo : Wir haben kein Problem, die „idioten“ sind die anderen – Eltern, Mitschüler, Therapeuten.

Mütter und Väter stehen der Wahnwelt ihrer bulimischen oder anorektischen Kinder oft hilflos gegenüber. Manche verschließen solange es irgend geht die Augen vor der Schwere der Krankheit. Die meisten versuchen, dem Problem mit Methoden zu begegnen, die auch bei anderen Erziehungsnöten zum Einsatz kommen: mahnen, argumentieren, drohen, strafen. Aber Essgestörte sind kaum zu überzeugen und nur schwer zu sanktionieren, mangelnde Krankheitseinsicht ist auch bei der professionellen Behandlung die größte Hürde. Wie Alex erst nach Jahren einsah, dass sie etwas ändern muss, wehrte sich auch Juliane gegen jede Einmischung in ihre Mahlzeiten. „Ich war so wütend auf meine Eltern, die ständigen Mahnungen. Da habe ich sie angespuckt – indem ich mich ins Klo übergab, wenn ich wieder mit ihnen hatte essen müssen. Ich wollte es ihnen heimzahlen.“ Ein Konflikt, den Eltern nicht gewinnen können. „Sie müssen sich eingestehen: wir brauchen fremde Hilfe, wir schaffen es nicht allein“, sagt Detlev Nutzinger. „Daist nicht leicht, weil das Kind ja meist keine Hilfe will.“ Die Eltern sollten dann trotzdem versuchen es mit einzubeziehen. „Sie können etwa sagen: Unser Ziel ist ganz klar, wir müssen die Krankheit in den Griff bekommen. Auf welchem Weg wir dorthin kommen, an welchen Arzt oder an welche Klinik wir uns wenden, können wir uns gemeinsam überlegen.“

Oft führt der Weg in spezialisiertes Krankenhaus. Wie hart es sein kann, das eigene Kind dorthin zu bringen und die Therapiezeit durchzustehen, wissen die Eltern von Alex. Drei Jahre dauert es, bis sie mit ihrer Tochter erstmals in eine Psychiatrie fuhren, da war sie 15. „bis dahin dachten wir, wir schaffen das alleine.“ Sagt Gabi Delke. „Wir wussten ja nichts über diese Krankheiten.“ Danach versuchten die Eltern, Alex in anderen Kliniken helfen zu lassen. „Aber wir waren nicht konsequent genug“, sagt ihr Vater, Andreas Muder. „wir haben sie immer wieder aus den Kliniken rausgeholt, weil sie dort so unglücklich war. Das war wohl unser größter Fehler.“

Die Mutter hadert bis heute mit der eigenen Nachgiebigkeit: „Ich weiß, dass ich härter sein müsste, aber ich bin doch ihre Mutter!“ Ihr Ex-Mann ist inzwischen eisern, „Sie muss sich auf die Therapie einlassen, sie muss es wirklich wollen. In meiner Verzweiflung habe ich schon gesagt: Zum Sterben brauchst du nicht nach Hause zu kommen.“ Wie die Eltern müssen auch die Ärzte und die Therapeuten standhaft und geduldig sein, um den jungen Kranken aus der Misere zu helfen. Denn obwohl die Forschung den genetischen Wurzeln der MS auf der Spur ist und versucht , die Einzelheiten des chaotischen Hirnstoffwechsels Essgestörter zu beschreiben, ist die Therapie bislang mühselig geblieben. Anders als etwa bei Depressionen zeigen Medikamente bei Magersüchtigen kaum Erfolge. Nur bei Bulimiern scheinen Antidepressiva das Essverhalten zu stabilisieren. Was bleibt, ist das Repertoire der Psychotherapie – von dem man jedoch heute weiß, dass es in einem gewissen Maße auch Einfluss auf den Haushalt der Botenstoffe im Hirn haben kann. Als Alex im Dezember vom Krankenhaus in die Medizinisch-Psychosomatische Klinik Bad Bramstedt kam, machte sich ein Team von Ärzten, Psycho- und Sozialtherapeuten daran, sie zu heilen. Das Haus in Schleswig-Holstein ist eines der größten Zentren für die Behandlung von Essstörungen, Angsterkrankungen und Depressionen in Deutschland.

Vorläufig steh für Alex noch die Gewichtszunahme im Vordergrund: Gemeinsam mit den anderen Patienten soll sie lernen, wieder ein positives Verhältnis zu Nahrungsmitteln zu bekommen. Die Anorektiker und Bulimiker müssen einkaufen, Mengen abschätzenm kochen – und natürlich essen. Allerdings ohne Vorgaben wie viel. Die einzige Richtschnur, die Therapeuten und Patienten gemeinsam festlegen: Am Anfang darf keiner weiter abnehmen, dann gelten 700 Gramm Zunahme pro Woche zusätzlich als Ziel – Alexandra hat es bisher Woche für Woche erfüllt.

Wer es schafft zuzunehmen, ist allerdings noch nicht auf der sicheren Seite. „Leider bedeutet nicht jedes kg mehr ein bisschen Krankheit weniger“, sagt Psychiater Fritz Poustka. Solange zugrunde liegende Probleme wie Perfektionismus und verzerrtes Körperbild nicht gelöst würden, könne es keine Heilung geben. Die zweite Säule der Therapie ist deshalb die Korrektur des Körperbilds: Spiegel, Videokamera, Schattenspiel und das Feedback der anderen Patienten helfen der Kranken, ihre Körpermaße wieder realistisch einzuschätzen. Bei der 19-jährigen Ann Katrin hat das den Durchbruch gebracht. Sie konnte auf den Holzstühlen in der Schule kaum noch sitzen, weil ihre Beckenknochen so stark herausstachen – und trotzdem : Mit 41 bei 1,60m fühlte sie sich zu dick. Erst als sie in Bad Bramstedt die Umrisse ihres Körpers aus der Ferne an eine Plane an der Wand gezeichnet sah, begriff sie wie dünn sie war, und dachte „das bin ich?“.

Ann Karin ist MS, aber bei ihr vermischt sich die Krankheit mit der Bulimie. Als sie vor 2 Jahren begann Diät zu halten, wollte sie nur für einen Sommerurlaub mit den Freundinnen bikinitauglich sein. Im folgenden Winter wog sie nur noch 38 kg. Ihre Eltern konnten Ann Katrin davon überzeugen, das Hungern zu beenden. „Aber mit dem Essen begangen die bulimischen Anfälle. Ich aß wieder alles, was ich mir vorher verboten hatte. Dann kam das schlechte Gewissen, und ich spuckte alles wieder aus. Bevor ich in die Therapie kam, habe ich tagelang an einem Viertel Apfel gegessen, am Wochenende die Ess und Spuckattacken.

Nun lernen Ann Katrin, Juliane und Alex in der Verhaltenstherapie, alte Denk- und Handlungsmuster durch neue zu ersetzen.In Rollenspielen werden Szenen nachgestellt, die im Alltag FAs auslösen würden oder auch tagelange Askese. Die Patientinnen sollen ausprobieren und trainieren, wie man gesünder reagieren kann. Wer darüber hinaus psychotherapeutische Hilfe braucht, etwas um schwierige Konflikte im Elternhaus aufzuarbeiten, bekommt auch hierzu Gelegenheit. Insgesamt gilt: Die Kranken sollen so weit wie möglich in die Therapieplanung eingezogen werden, um ihnen Selbstbestimmung zu bieten. Möchten Sie lieber Mal – oder Musiktherapie? Dürfen Familienmitglieder bei Sitzungen dabei sein? Wie oft?

Immer häufiger kommen in die Klinik Bad Bramstedt auch Männer mit Essstörungen. Sie leiden vor allem unter dem Druck, in allen Lebenslagen erfolgreich und stark sein zu müssen. Aber auch der Schlankheitswahn setzt ihnen zu. Bislang ist die Magersucht bei Männern jedoch nur wenig erforscht. Bei Jens, 31, begann die Krankheit mit einer Magenschleimhautentzündung. Wegen der höllischen Schmerzen nahm er immer weniger zu sich. „Ich aß zwar alles, aber nur noch am Abend, denn danach konnte ich mich mit den Schmerzen ins Bett legen.“ Mit der Zeit wurde er immer dünner und die Angst vorm Essen und Schmerzen immer größer. Das ist bis heute so. „Als mir eine Ärztin sagte, ich hätte Magersucht, dachte ich natürlich: Quatsch, das ist doch so ein Schlankheitswahn bei Frauen. Und : ich zum Seelenklempner? NIE!“ Als er dann dich in eine Klinik eingewiesen wurde, wog er nur noch 38 kg bei einer Größe von 1,75m. Immerhin fünf kg hat er seither wieder zugelegt. Doch die Krankheit bestimmt seit 10 Jahren sein Leben. „Langsam zweifle ich an mir, fühle mich wie ein Versager und hoffe auf den Klick im Kopf.“

Darauf, dass es einfach „Klick“ machen könnte, wartet Alex nicht mehr. Sie will mit ihren Therapeuten einen Ein-Jahres-Heilungsplan aufstellen, mit dem sie Schritt für Schritt den Weg in ein normales Leben finden kann. Später möchte sie in eine eigene Wohnung ziehen und eine Ausbildung machen. Bis jetzt sieht es so aus, als könnte Alex es packen. In der vergangenen Woche wog sie schon 41 kg.


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